Leseliste 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

im letzten Jahr habe ich mir notiert, welche Bücher ich gelesen habe. Am Jahresende war ich erstaunt, wieviele da so zusammenkamen. Und deshalb habe ich es für dieses Jahr auch wieder angefangen.

Hier der aktuelle Stand für 2020

AutorTitelbeendetSeiten
Hesse, M.Das Mädchen im blauen Mantel02.01.377
Thiemeyer, T.Chroniken der Weltensucher, Bd. 208.01.472
Thiemeyer, T.Chroniken der Weltensucher, Bd. 309.01.469
Habersack, C.Bitte nicht öffnen – bissig!Jan.230
GeoEpocheBayernFeb.161
Thiemeyer, T.Chroniken der Weltensucher, Bd. 4Feb.453
Bertman, J.C.Mr. Griswolds Bücherjagd, Bd. 118.03.346
Koch, B.Der Drachenflüsterer19.03.339
Neff, H.H.Schule der Magier – Das geheime Portal22.03.461
Mommsen, J.Die BücherinselApril272
Gablé, R.Hiobs BrüderApril899
Dromfield, J.Der Junge, der seinem Vater nach Auschwitz folgteApril448
Joyce, J.Ulysses18.05.1015
Gläser, M.Die Buchspringer01.06.380
Oswald, S.Der kleine Strickladen in den Highlands04.06.332
Koch, K.Rote Grütze mit Schuss09.06.270
Ohlandt, N.Dünengeister13.06.539
Winter, C.Die Wolkenfischerin17.06.378
Lebert, B.Crazy19.06.175
Lem, S.Imaginäre Größe (abgebrochen)101
Doyle, C.Sturmwächter 2August376
Lem, S.SterntagebücherOktober479
Hartlieb, P.Meine wundervolle Buchhandlung19.10.208
Erhard, F.Verliebte Bücher und andere Schlamassel01.11.294
Bücher ohne „beendet“-Eintrag werden aktuell oder demnächst gelesen.


Das sind aktuell, also am 01. November, 24 Bücher mit insgesamt 9.402 Seiten.
Zum Vergleich: 2019 habe ich 24 Bücher mit insgesamt 8.556 Seiten gelesen. Klingt nach einer neuen Bestmarke! Oder was meinst Du?

Lieben Gruß,

Lem, Stanislaw – Imaginäre Größe

Informationen zum Buch:
1982 erschienen
Suhrkamp Verlag
204 Seiten
ISBN 3-518-37158-4

Klappentext / Zusammenfassung:
Es sind hintergründige Spielereien mit der Sprache und mit der Universalität des Denkens, oft am Rande der Groteske und Farce. (Gudrun Ziegler, Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Meine Meinung:
Liebe Leserin, lieber Leser,

ich hatte gedacht, nach „Ulysses“ von James Joyce kann mich lesetechnisch nichts mehr schrecken.

Ich wurde eines besseren belehrt.

Eigentlich bin ich nicht der Typ Leser, der ein begonnenes Buch weglegt. Sowas kommt bei mir extrem selten vor. Mein erster Versuch mit oben genannten „Ulysses“ war so ein Fall, damals war ich wohl noch zu jung dafür. Dieses Buch war auch so ein Fall. Doch welche Entschuldigung habe ich diesmal?

Nun, „Imaginäre Größe“ hat das Anliegen, der Kunst des Vorwortschreibens eine Bühne zu geben. Nach Ansicht des Autors werden Vorworte viel zu wenig beachtet und manch ein Leser überblättert diese wohl auch gern, um gleich zum eigentlichen Buch überzugehen. Er meint, Vorworte werden eher stiefmütterlich behandelt, was sie aber absolut nicht verdient hätten. Und deshalb hat er ein Buch geschrieben, das ausschließlich aus Vorworten besteht – Vorworte zu nicht-existenten Büchern.

Von der Sache her finde ich die Idee sehr amüsant und war nach der Einführung gespannt auf das Buch. Doch die Ernüchterung kam schnell: Die Vorworte beschäftigen sich nicht nur mit nicht-existenten Büchern, sondern auch mit imaginären wissenschaftlichen Themen und beinhalten dementsprechend viele, pseudo-wissenschaftliche Ausdrücke, was mir das Verstehen oder auch nur das flüssige, halbwegs sinnentnehmende Lesen der Texte ungemein erschwerte – und mir die Freude am Lesen nahm. Für mich war es Quälerei, ganz eindeutig.

Das Buch bleibt in meinem Regal stehen. Und irgendwann, vielleicht wenn ich Rentner bin und ganz viel Zeit und Ruhe habe, werde ich es wieder zur Hand nehmen und lesen. Und vielleicht ändert sich meine Meinung dann ja.

Lieben Gruß,

Eure

Lem, Stanislav – Sterntagebücher

Informationen zum Buch:
1978 erschienen
Suhrkamp Taschenbuch Verlag
479 Seiten
ISBN 3-518-36959-8

Klappentext / Zusammenfassung:
Die Geschichten schäumen über von Erfindungsspaß. Bizarrste Einfälle, absonderlichste Skurrilitäten, erstaunlichste Grotesken, vergnüglichste Spiele purzeln übereinander, und das alles läßt immer neu die erstaunlichste Intelligenz spüren, die da agiert. (Heinrich Vormweg)

Meine Meinung:
Liebe Leserin, lieber Leser,

dieses Buch ist phantastisch im Sinne von „äußerst phantasievoll“. Stell Dir vor, Du lebst in einer Zeit, in der das Reisen mit Raketen zu fernen Welten genauso normal ist wie heutzutage das Reisen per Bus oder Auto. In genau so einer Zeit lebt der Protagonist Ijon Tichy. Elektronengehirne gehören zum Alltag, Waschmaschinen waschen nicht nur die Wäsche, er bekommt Besuch von seinem zukünftigen Ich und noch vieles mehr.

Die „Sterntagebücher“ ist ein Buch, auf das man sich einlassen muss – was mir, ehrlich gesagt, phasenweise schwer fiel. Dies war aber nicht der „Fehler“ des Buches, sondern lag darin begründet, dass ich nicht die Zeit und Ruhe hatte, mich auf dieses Buch zu konzentrieren. Meiner Meinung nach ist „Sterntagebücher“ kein Buch, in dem man abends vorm Einschlafen ein paar Seiten liest, sondern eher eines für ein einsames, verregnetes Wochenende auf dem Sofa mit reichlich Tee, Kaffee und Soul Food in Reichweite. Und mit einer Wolldecke. Dann dankt es einem mit vielen vergnüglichen Lesestunden.

In diesem Sinne: Bleibt gesund und genießt die Zeit bei einem der schönsten Hobbys der Welt.

Eure

Gedanken zum Herbst

Ich sitze am Schreibtisch und erledige ein paar Dinge, die erledigt werden wollen. Neben meiner Tastatur dampft eine Tasse Kaffee vor sich hin. In der Küche wartet eine Kanne Tee auf mich. Kräutertee der Mischung „Helgoländer Schietwetter“. Das paßt zum Blick nach draußen: Der Himmel ist einheitlich grau und es regnet. Die Eichen an der Straße werfen ihre Früchte ab und ihre Blätter beginnen, braun zu werden.

Der Herbst ist da.

Jetzt ist wieder die Zeit, sich mehr im Haus aufzuhalten. Ich liebe es, auf dem Sofa zu sitzen, in eine Wolldecke eingekuschelt mit einem Heißgetränk in Reichweite. Vielleicht steht ein Teller mit Kuchen oder Keksen daneben und überall im Raum verströmen brennende Kerzen ihr heimeliges Licht. Ich mache Handarbeiten oder bin in ein Buch vertieft. Dabei ist es ganz egal, was für ein Buch, solange es mich fesselt. Vielleicht ist es etwas lustiges, denn Lachen ist gesund und muntert die Seele auf. Vielleicht ist es ein Krimi, da die dort meist vorherrschende düstere Stimmung zum Wetter passt. Vielleicht lese ich aber auch Fantasy, wo ich in Gedanken in andere Welten reisen kann.

Ich liebe es, im Warmen zu sitzen und es mir gemütlich zu machen, während sich draußen Mutter Natur austobt. Gibt es etwas schöneres, als am Fenster zu sitzen, während die Bäume sich im Sturm wiegen und der Regen gegen die Scheiben peitscht, und dabei zu wissen: Heute darf ich zu Hause bleiben?

Herbst heißt für mich auch, warm eingepackt Spaziergänge zu machen. Mich durchpusten lassen. Schöne Blätter, Eicheln, Kastanien und Bucheckern zu sammeln. Es ist ein wunderbares Gefühl, nach solch einem Spaziergang durchgekühlt und ausgelüftet ins warme Zuhause zu kommen. Die Blätter werden gepresst, die anderen Schätze stilvoll arrangiert. Im Wohnzimmer und in der Essecke stehen verteilt Teller und Schalen mit gesammelten Schätzen, teilweise mit Kerzen dabei. Nach Hause kommen, die Kerzen anzuzünden, Tee oder Kaffee kochen und dann ab aufs Sofa unter die Kuscheldecke – wunderbar!

Es braucht so wenig zum Glücklich sein. Man muss nur mal die Augen aufmachen und in sich reinhorchen. Wahres Glück liegt nicht im Materiellen, es ist imateriell. Ein warmes, gemütliches Zuhause, wenn es draußen kalt und dunkel wird. Kuschelzeit mit der Familie. Heutzutage nennt man es wohl „hyggelig“, da die Skandinavier wohl die Gemütlichkeit im Haus erfunden haben. In meinen Augen stimmt das nicht: Im Norddeutschen nennt man das „kommod“. Und genau das ist es auch für mich: mien kommodes Tohuus.

Eure

Winter, Claudia – Die Wolkenfischerin

Informationen zum Buch:
2018 erschienen
Goldmann Verlag
378 Seiten
ISBN 978-3-442-48573-4

Klappentext / Zusammenfassung:
Charmant und gewitzt hat sich Claire Durant auf der Karriereleiter eines Berliner Gourmet-Magazins ganz nach oben geschummelt. Denn niemand ahnt, dass die Französin weder eine waschechte Pariserin ist noch Kunst studiert hat – bis sie einen Hilferuf aus der Bretagne erhält, wo sie in Wahrheit aufgewachsen ist: Ihre Mutter muss ins Krankenhaus und kann Claires gehörlose Schwester nicht allein lassen. Claire reist in das kleine Dorf am Meer und ahnt noch nicht, dass ihre Gefühlswelt gehörig in Schieflage geraten wird. Denn ihr Freund Nicolas aus gemeinsamen Kindertagen ist längst nicht mehr der schüchterne Junge, der er einmal war, und dann taucht aus heiterem Himmel auch noch ihr Chef auf. Claire muss improvisieren, um ihr Lügengespinst aufrechtzuerhalten – und stiftet ein heilloses Durcheinander in dem sonst so beschaulichen Örtchen Moguériec …

Meine Meinung:
Liebe Leserin, lieber Leser,

dieses Buch ist ein handfester Liebesroman, wie er im Buche steht. Er hat alles, was so ein Buch braucht: Verwirrspiele, Missverständnisse, Herzschmerz, Happy End …

Ich habe das Buch gern und schnell gelesen. Dies ist eines der Bücher, die bei strahlendem Sonnenschein auf dem Balkon/der Terrasse gelesen werden wollen mit einem erfrischenden Kaltgetränk in Reichweite, oder auf dem Sofa, wenn es draußen in Strömen gießt, mit einem Heißgetränk.

Lieben Gruß,

Lebert, Benjamin – Crazy

Informationen zum Buch:
1999 erschienen
Verlag Kiepenheuer & Witsch
175 Seiten
ISBN 3-462-02818-9

Klappentext / Zusammenfassung:
„Das war alles ein wenig viel für mich heute: Anstatt zu schlafen, eine Feuerleiter hinaufzuklettern, zu saufen, was das zeug hält, mal eben ein bißchen zu vögeln und nebenbei erwachsen zu werden. Das reicht für eine Nacht. Da würde jeder kotzen, glaube ich.“

Über das Buch
„Hallo, Leute. Ich heiße Benjamin Lebert, bin sechzehn Jahre alt, und ich bin ein Krüppel. Nur damit ihr es wißt. Ich dachte, es wäre von beiderseitigem Interesse.“ Mit diesen Worten stellt sich Benjamin an seinem ersten Schultag im Internat Schloß Neuseelen seinen Mitschülern vor. Für ihn es es bereits die fünfte Schule, hier soll er endlich die achte Klasse und möglichst auch das Abitur bestehen.
Die wesentlichen Lektionen aber finden nach dem Unterricht statt: Zusammen mit seinen fünf Freunden ist Benjamin auf der Suche nach dem „Faden des lebens“. Bei allen Unternehmungen – bei nächtlichen Besuchen auf dem Mädchengang genauso wie bei heimlichen Ausflügen ins Dorf – beschäftigt sie fortwährend die Frage, worum es in dieser ganzen Veranstaltung namens Leben eigentlich geht: um Mädchen und um Freundschaft, ums Erwachsenwerden oder vielleicht auch einfach nur darum, immer weiterzumachen, wie verrückt die Welt und wie „crazy“ man selbst auch sein mag.

In seinem autobiographischen Roman „Crazy“ erzählt der sechzehnjährige Benjamin Lebert mit erstaunlicher Wärme, großem Witz und einer guten Portion Selbstironie von der Schwierigkeit des Erwachsenwerdens.

Meine Meinung:
Liebe Leserin, lieber Leser,

selten ist es mir so schwer gefallen, meine Gedanken über ein Buch in Worte zu fassen. Als ich den Klappentext gelesen hatte, dachte ich zunächst, das könnte recht lustig werden. Ein typischer Jugendroman.

Selten habe ich so daneben gelegen. Tatsächlich hat mich dieses Buch weniger zum Schmunzeln gebracht, sondern wirklich berührt. Es ist ein subjektiv geschriebenes Buch von erstaunlicher Ehrlichkeit. Benjamin nimmt kein Blatt vor den Mund wenn es darum geht, zu beschreiben, wie er sich in manchen Situationen gefühlt hat. Er beschreibt den Alltag in einem gemischten Internat, hunderte Jugendliche unter sich. Ein Schmelztiegel der Hormone, unter der Führung von Pädagogen, die nach Benjamins Beschreibung diese Bezeichnung nicht verdienen. So ist da beispielsweise der Mathelehrer, dem es Spaß macht, Benjamin vorzuführen, obwohl bekannt ist, dass er in Mathe alles andere als gut ist und dass er aufgrund seiner Behinderung die linke Hand nicht nutzen kann – also auch kein Geodreieck halten und geometrische Figuren zeichnen kann.

„Crazy“ ist ein Buch über die Suche: die Suche nach dem Sinn des Lebens, dem Weg zum Erwachsenwerden und der Suche nach dem eigenen Ich in diesem ganzen Chaos.

Ich kann jedem dieses Buch empfehlen, der vergessen hat (wie ich), wie sich das damals anfühlte. Und ganz dringend rate ich allen Eltern dazu, deren Kinder grade an der Schwelle zur Pubertät stehen. Vielleicht hilft es ihnen, ihre Kinder und deren Probleme besser einzuschätzen.

Lieben Gruß,
Eure

Lesemarathon Juni 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

im deutschen Bookcrossing-Forum gibt es jeden Monat einen sogenannten Lesemarathon. Was das ist? Ganz einfach:

„Jeder versucht so viel wie möglich zu lesen, jeder kann zählen, was er will, Minuten, Seiten, Bücher…
Zu gewinnen gibt es nichts. Dabei sein ist alles! Es geht darum sich Zeit fürs Lesen frei zu schaufeln und den MTBR ab zubauen.“ (Zitat aus dem aktuellen Thread).

MTBR heißt übrigens „Mount To-Be-Read“, also „Berg der noch zu lesenden Bücher“. Mein MTBR ist äußerst umfangreich, doch dazu ein andermal.

Nachdem meine Teilnahme im letzten Monat ja nicht erfolgreich war, versuche ich es diesen Monat noch einmal. Schlechter werden kann es ja kaum.

Lesetaggelesene Seiten
Mi., 10.06.37
Do., 11.06.0
Fr., 12.06.62
Sa., 13.06.404
So., 14.06.2
Mo., 15.06.73
Di., 16.06.112
Mi., 17.06.181
Do., 18.06.9
Fr., 19.06.157
Sa., 20.06.3
So., 21.06.3
Summe: 1.043

Die Bücher, die ich während dieser Challange lese, sind:

Lieben Gruß,

Koch, Krischan – Rote Grütze mit Schuss

Informationen zum Buch:
2013 erschienen
Deutscher Taschenbuch-Verlag
270 Seiten
ISBN 978-3-432-21433-9

Klappentext / Zusammenfassung:
Ein ermordeter Biobauer, eine verschwundene Ehefrau, Brandstiftung und Erpressung: Dorfpolizist Thies Detlefsen hat auf einmal alle Hände voll zu tun. Und das im bisher so friedlichen Fredenbüll in Nordfriesland, wo es mehr Schafe (600) als Einwohner (176) gibt! „Dat is jetz ’n büschen viel auf einmal.“ Gott sei Dank naht Hilfe in Gestalt der attraktiven Nicole Stappenbek von der Kieler Mordkommission. Gemeinsam rücken sie dem Bösen zu Leibe …

Meine Meinung:
Liebe Leserin, lieber Leser,

ich hatte mir dieses Buch aus der Bücherei ausgeliehen, weil ich in einer Bookcrossing-Lotterie den zweiten Band aus der Reihe, „Dreimal Tote Tante“, gewonnen habe und ich neugierig geworden bin. Ich mag es halt nicht, eine Reihe von mittendrin zu beginnen, auch wenn die Storys in sich abgeschlossen sind.

Zunächst hat sich das Buch gesperrt, gelesen zu werden. Gleich auf den ersten paar Seiten taucht der Leser in die dörfliche Gemeinschaft von Fredenbüll ein und lernt das (gefühlt) halbe Dorf kennen. Und dementsprechend muss man erstmal lernen, wer sich hinter den Namen alles verbirgt.

Doch dann ging es schnell und das Buch war zu Ende. Wie konnte das denn passieren? Ganz einfach: Es ist gut geschrieben, die Charaktere sind typisch norddeutsch, die Gespräche typisch Dorf. Und die Handlung birgt sowohl Vorhersehbares als auch überraschende Wendungen.

Doch mehr verrate ich an dieser Stelle nicht, schließlich sollst Du, werte/r Leser/-in, das Buch selber lesen.

Lieben Gruß,
Eure

Ohlandt, Nina – Dünengeister

Informationen zum Buch:
2019 erschienen
Verlag Bastei-Lübbe AG
539 Seiten
ISBN 978-3-404-17780-6

Klappentext / Zusammenfassung:
Auf Sylt werden in einer Düne, die zum Besitz einer reichen Industriellenfamilie gehört, zwei Leichen gefunden – ein Kind und eine junge Frau, beider der Kleidung nach seit Jahrzehnten tot. Wenig später gibt es in der Familie einen weiteren Todesfall. Kommissar John Benthien glaubt nicht an einen Zufall und nimmt die Ermittlungen auf. Dabei stößt er auf ein uraltes Familiengeheimnis, von dem auch heute noch eine tödliche Gefahr auszugehen scheint …

Meine Meinung:
Liebe Leserin, lieber Leser,

dieses Buch kann ich empfehlen. Es ist im Stil klassischer Krimis geschrieben, wie man es von Agatha Christie kennt: Eine Leiche wird gefunden, die Kriminalpolizei wird eingeschaltet und es wird fieberhaft ermittelt. Die Indizien häufen sich, man ermittelt, irrt sich, ermittelt weiter und kommt schließlich auf die richtige Fährte. Wirklich?

Das einzige, was ich etwas irreführend finde, ist die Bezeichnung „Nordsee-Krimi“. Ja, der Krimi spielt auf Sylt und es wurden ein paar Sylter Besonderheiten eingebaut, beispielsweise der Hindenburgdamm und die Große Düne. Aber ansonsten hätte es auch überall sonst auf der Welt spielen können. Was ich vermisst habe, ist die Darstellung des „typisch Norddeutschen“: trockener Humor, äußerlich spröde mit warmen Herzen, zunächst unnahbar, dann verläßlich … Bin ich diesbezüglich verwöhnt, weil ich grade genau so ein Buch beendet hatte, als ich zu „Dünengeister“ griff? Möglich.

Fazit: Für alle Krimi-Fans sehr zu empfehlen, egal, ob sie Sylt kennen und mögen oder nicht.

Lieben Gruß,

Was machen Bäume eigentlich nachts?

Jeden Tag sehen wir sie rumstehen: an der Straße, im Garten, im Wald, im Park, auf dem Parkplatz. Sie stehen allein und in Gruppen. Unsere Bäume.

Die Biologen sagen, sie sind festgewachsen und können sich nicht bewegen, deshalb stehen sie immer an der gleichen Stelle. Und sie sagen, daß sie ihre Nährstoffe mit den Wurzeln aus dem Boden holen. Aber stimmt das auch?

Ich sehe das anders: Unsere Bäume tun nur so, als ob sie festgewachsen wären und sich nicht bewegen können. Ich weiß nämlich, daß sie nachtaktiv sind, also nachts unterwegs sind und tagsüber schlafen. Sie können aber nur an ihrem festen Platz schlafen, deshalb sehen wir sie tagsüber immer an der gleichen Stelle stehen. Und deshalb glauben wir Menschen auch, daß sie sich gar nicht bewegen können. Aber nachts, wenn alle Menschen schlafen, dann wachen die Bäume auf. Dann ziehen sie ihre Wurzeln aus dem Boden und machen all das, was Bäume so machen. Sie besuchen sich dann gegenseitig und halten einen kleinen Schwatz. Vielleicht gehen sie auch einfach nur spazieren und vertreten sich die Wurzeln. Wenn ein Baum geht, sieht es für uns Menschen ungewohnt aus: Ein Baum hat keine Gelenke, so wie wir. Wenn ein Baum geht, sieht es staksig aus. So, als wenn ein Mensch auf Stelzen läuft oder mit steifem Knie. Deshalb können Bäume auch nicht rennen oder schnell gehen.

Worüber Bäume sich unterhalten? Oh, das ist ganz unterschiedlich! Natürlich erzählen sie sich, was sie den lieben langen Tag, wenn sie an ihrem Schlafplatz stehen, so erlebt haben. Wenn Bäume schlafen, dann ist das nämlich auch etwas anders als bei uns Menschen. Ein schlafender Mensch kann sich normalerweise an nichts erinnern, was in seiner Umgebung passiert ist. So weiß ein Kind morgens nicht, ob seine Mama oder sein Papa nachts nochmal zu ihm ins Zimmer gekommen ist, um es zuzudecken oder um ihm sein Kuscheltier zu geben, das aus dem Bett gefallen ist. Ein Baum dagegen bekommt ganz genau mit, was um ihn rum passiert: Es schläft nämlich immer nur eine Hälfte von ihm. Die andere Hälfte ist wach und paßt auf. Und deshalb können sich Bäume nachts erzählen, was sie tagsüber so erlebt haben: Welcher Vogel zu Besuch kam und ob sie vielleicht ein neues Nest in ihren Kronen tragen, oder welcher Hund sie als Toilette benutzt hat, oder ob ein Kind in ihnen rumgeklettert ist, oder ob jemand ihre Rinde gestreichelt oder ein Blatt abgerissen hat, oder welches Eichhörnchen bei ihnen eingezogen ist. Es gibt so viel, worüber Bäume sich unterhalten.

Jetzt sagst Du sicherlich: „Aber wenn ich nachts aufwache, dann steht der Baum vor meinem Fenster immer noch da. Also kann er doch nicht weggehen.“ Weißt Du, Bäume sind ja auch nicht dumm. Und da, wo Menschen leben, haben sie einen kleinen Trick gelernt, damit wir ihnen nicht auf die Schliche kommen: Sie gehen dann zwar weg, können aber ein Bild von ihnen zurücklassen. Bäume können nämlich ein klein wenig zaubern, grad genug, um ihr Geheimnis zu bewahren.

Du möchtest wissen, woher ich das alles weiß? Ich hab aufgepaßt und nachgedacht. Denn manchmal, wenn man im Bett liegt und es ganz ruhig ist im Haus, dann kann man die Bäume reden hören. Manchmal ist es nur ein ganz leises Wispern, manchmal ist es ein lautes Rufen. Für uns klingt die Stimme der Bäume nämlich wie das Rauschen des Windes in den Blättern und wie das Knarren der Äste im Sturm. Und wenn morgens ein Ast auf dem Boden liegt, haben sich des nachts wohl zwei Bäume ganz fürchterlich gestritten und gerauft.

Es gibt noch etwas, was ich weiß: Bäume sind unsere Freunde. Wenn Du nachts aufwachst und grad ein Baum zu Deinem Fenster reinsieht, dann erschrick nicht! Er will Dir nichts tun, im Gegenteil. Er ist neugierig und guckt, was Du da machst. Vielleicht hast Du am Tag vorher grad seine Rinde gestreichelt oder ihm Deine Sorgen erzählt, und dann möchte der Baum nachts mal gucken, was sein kleiner Freund macht und ob es ihm gut geht.

Die Bäume nehmen es uns auch nicht übel, wenn wir ihr Holz für Möbel und ähnliches verwenden. Sie wissen, daß nur Holz von sehr alten Bäumen genommen wird, die schon viele viele neue Bäume gesät haben und die vielleicht schon soooo alt und müde sind, daß sie ihren Schlafplatz schon sehr lange nicht mehr verlassen haben. Und wenn wir uns mit dem Holz dieser Bäume umgeben, zeigen wir ihnen auch, daß wir sie gern haben. Denn wir umgeben uns doch nur mit Dingen, die wir mögen, oder?

So, nun weißt Du viel mehr über Bäume als noch vor ein paar Minuten. Vielleicht siehst Du sie jetzt mit etwas anderen Augen und findest bald Deinen eigenen Baum-Freund.

Und wenn Du Lust hast, dann such doch eine Eichel oder eine Kastanie oder eine Nuß oder einen anderen Samen von einem Baum, den Du leiden magst, und pflanz ihn ein. Dann wächst ein neuer Baum, der Dein Freund sein kann. Dafür brauchst Du keinen eigenen Garten, das geht auch am Wegesrand, im Wald oder in einer Hecke. Paß nur auf, daß Du einen Platz wählst, wo es unwahrscheinlich ist, daß ein Erwachsener ihn rausreißt. Viele Erwachsene haben nämlich vergessen, daß die Bäume unsere Freunde sind. Aber ein paar haben sich das Wissen bewahrt … so wie Du.

*****

Liebe Leserin, lieber Leser,

diese Geschichte ist nicht neu. Ich habe sie bereits 2013 aufgeschrieben, aber bislang kaum jemanden gezeigt. Sie könnte sicherlich besser formuliert sein und so ganz ausgereift ist sicher auch nicht. Es ist halt ein Erstlingswerk. Ich hoffe, sie gefällt Dir trotzdem ein wenig.

Lieben Gruß,