Seeberger, Astrid – Nächstes Jahr in Berlin

Informationen zum Buch:
erschienen am 10.02.2021
Verlag Urachhaus
250 Seiten
ISBN 978-3-8251-5261-1

Klappentext / Zusammenfassung:
Dies ist eine Geschichte, die erzählt werden muss: die Geschichte, die eine Tochter ihrer verstorbenen Mutter schuldet. Sie erzählt das Schicksal einer deutschen Familie aus Ostpreußen, geprägt von Verlust, Hoffnung und der Suche nach einem neuen Leben in den politischen Wirren des 20. Jahrhunderts.

Aus Astrid Seebergers Feder fließt diese Geschichte bildgewaltig, klug und poetisch dicht. Sie beschwört Orte der Sehnsuch, Zufluchtsorte mit ihrer einmaligen Zauberkraft herauf und skizziert ihre Charaktere mit genauem Blick.

Nächstes Jahr in Berlin ist der erste Teil ihrer groß angelegten, autobiografisch inspirierten Familiengeschite, die mit Goodbye, Bukarest bereits viele Leser begeistern konnte.

Meine Meinung:
Liebe Leserin, lieber Leser,

dieses Buch ist keines, das ich mal eben so nebenbei lesen kann. Es ist ein Buch, das mich gefangen genommen hat. Die Protagonistin erzählt rückblickend von ihrer eigenen Kindheit, die von der Geschichte ihrer Mutter stark beeinflusst war. Ihre Mutter wuchs in Ostpreußen auf, verlor auf der Flucht in den Westen während des 2. Weltkriegs ihre Familie aus den Augen und schlug sich alleine durch – ohne Papiere, ohne Ausbildung, durch den Krieg und die Flucht traumatisiert.

Das Buch beginnt mit dem Tod der Mutter. Dieses einschneidende Erlebnis im Leben jedes Kindes, egal wie alt es ist, veranlasst die Protagonistin, sich mit ihrem eigenen Leben auseinanderzusetzen, ihre Entscheidungen zu hinterfragen und vor dem, was die Mutter im Laufe ihres Lebens erzählt, angedeutet oder auch verschwiegen hat, neu einzuordnen. Im Grunde lernt sie ihre Mutter jetzt erst kennen und verstehen.

Das ganze Buch ist in einer sehr ruhigen, unaufgeregten Sprache verfasst. Es transportiert die Gefühlssituation der Protagonistin sehr gut: Mutter verstorben, Trauer, lang verschüttete Erinnerungen kommen wieder ins Bewußtsein. Es kommt ohne Action und Spannung aus. Tatsächlich wäre das eher störend. Es ist ein melancholisches Buch, mit verhältnismäßig wenig direkter Rede. Ich würde es eher mit einem Tagebuch vergleichen denn mit einem Roman oder Tatsachenbericht.

Meine Empfehlung
Wer sich für den zweiten Weltkrieg interessiert und ein persönliches Schicksal lesen möchte, was diese Zeit aus einem Menschen machen kann und wie sie auch nachfolgende Generationen indirekt beeinflusst, der sollte dieses Buch lesen – möglichst ohne Unterbrechung.

Lieben Gruß,

Leseliste 2021

Liebe Leserin, lieber Leser,

seit 2019 schreibe ich auf, was ich im Laufe des Jahres so lese. Ich empfinde es als spannend, zu beobachten, wieviel es ist. Bereits letztes Jahr habe ich meine Liste hier auf diesem Blog geführt und dies möchte ich dieses Jahr wieder tun. Also, hier sind sie, die von mir gelesenen Bücher des Jahres 2021:

AutorTitelbeendetSeiten
Martin, G.R.R.Das Lied von Eis und Feuer – Teil 211.02.514
Martin, G.R.R.Das Lied von Eis und Feuer – Teil 3
Seeberger, A.Nächstes Jahr in Berlin22.02.250
Bücher ohne „beendet“-Eintrag werden aktuell oder demnächst gelesen.

Damit habe ich aktuell 2 Bücher mit insgesamt 764 Seiten gelesen.

In den letzten Jahren sah mein Jahressaldo so aus:

JahrAnzahl BücherAnzahl Seiten
2019248.556
2020269.993

Ich bin gespannt, was für ein Lesejahr 2021 wird.

Lieben Gruß,

Meine Bibliothek – eine App für Bücher

Anmerkung vorab:
Warum schreibe ich über diese App? Weil ich davon überzeugt bin. Ich bekomme kein Geld oder sonstige Vergünstigungen dafür. Meiner Meinung nach ist sie für Bücherwürmer mit einer umfangreichen Büchersammlung schlicht und ergreifend empfehlenswert.

Liebe Leserin, lieber Leser,

kennst Du das? Du gehst Bücher kaufen, freust Dich, mit Deinen neuen Schätzen nach Hause zu kommen – und stellst beim Einräumen fest, dass Du das eine oder andere Buch schon hast? Du hast den Überblick über Deine Büchersammlung verloren.

Mir geht es genauso.

Da mir das vor einiger Zeit gehörig auf den Senkel ging, habe ich zunächst angefangen, mir eine Datenbank zu erstellen, in der ich meine Bücher organisieren kann. Klappte aber nicht, weil es mir zu aufwändig war. Außerdem, wie bekomme ich die Daten in den Buchladen? Keine Idee …

Nächster Versuch: Ich schnappte mir meinen ständigen Begleiter, mein Smartphone, und suchte im Play Store nach einer App. Ich fand mehrere und entschied mich für „Meine Bibliothek“ von Julien Keith. Wie sich schnell herausstellte, war es eine sehr gute Entscheidung!

Beim Öffnen der App erscheint bei mir als erstes die Liste der bereits eingegebenen Bücher. Zum Glück gibt es eine Suchfunktion, wäre ich aufgeschmissen. Das sieht dann so aus:

Wenn ich mir die Informationen zu einem Buch ansehen möchte, kann das so aussehen:

Zum Zufügen neuer Bücher klicke ich auf das blaue Plus unten rechts in der Ecke. Dann erscheint folgende Maske:

Wenn man auf das Feld rechts klickt, wird die Kamera aktiviert und man den Barcode des Buches einscannen (das geht echt schnell!). Alternativ kann man hier die ISBN-Nummer eingeben oder, wenn es keine gibt, über die Schlagwortsuche nach dem Autor und/oder dem Titel suchen. Bei der Schlagwortsuche erscheint als nächstes eine Liste aller Bücher, die die App als eventuell zutreffend einstuft. Ich schätze, Du wirst schnell feststellen, dass viele Bücher mehrfach erfasst wurden. Suche das richtige aus und füge es Deiner Bibliothek hinzu. Wenn die ISBN-Nummer bzw. der Barcode gefunden wurde, wird das Buch übrigens gleich hinzugefügt, ohne Ergebnisliste dazwischen.

Grade bei älteren Büchern musst Du damit rechnen, dass Dein Buch noch nicht erfasst wurde. Doch auch das ist kein Problem: Klicke „manuell hinzufügen“ an und leg los:

Nachfolgend siehst Du die Eingabemasken für ein neues Buch:

Wenn Du jetzt die Hände über den Kopf zusammenschlägst ob der Menge an Informationen, die man eingeben kann, dann sei bitte beruhigt: Man KANN soviel erfassen. Die einzigen Pflichtfelder sind „Titel“ und „Autor“ – mehr nicht.

Hier sieht man übrigens mal das Hauptmenü der App:

Vielleicht denkst Du grade: „Toll! Aber meine Comics hätte ich gern seperat eingepflegt“, so ist auch das kein Problem: Es gibt eigene Abschnitte für Comics und Videospiele. Ich habe sie bei mir nur deaktiviert, weil ich sie nicht nutze. Wir haben kaum Videospiele und unsere Comicsammlung wird von meinem Göga gepflegt.

Alles andere probier am besten selber aus.

Weitere Pluspunkte dieser App sind in meinen Augen:
– sie ist werbefrei
– sie ist kostenlos
– sie ist einfach zu bedienen

Minuspunkte sind:
– es gibt keinen Abschnitt für Magazine

In diesem Sinne: Bleibt gesund!

Eure

Lesechallenges 2021

Liebe Leserin, lieber Leser,

im deutschen Forum von Bookcrossing veranstalten jedes Jahr diverse User Challenges. Dabei wird zumeist ein Thema vorgegeben und jeder Teilnehmer liest Bücher, die zu den Schlagworten passen.

Letztes Jahr habe ich mich bereits an einer Challenge versucht, bin aber kläglich gescheitert. Mein Ansatz war: Ich lese, wozu ich Lust habe, und wenn es zu den Stichworten der Challenge passt, dann trage ich es ein. Wie gesagt, der Erfolg war mäßig. Da ich den Ansatz dieser Challenges aber interessant finde und sie vielleicht auch dazu verlocken, mal aus der „Lesekomfortzone“ rauszukommen, versuche ich es dieses Jahr wieder.

Ich habe mir aus dem reichhaltigen Angebot der Challenges folgende rausgesucht: Hazels Lesechallenge, efells Lesechallenge und die Märchen-Challenge. Nachfolgend liste ich meine Fortschritte:

Hazels Lesechallenge 2021

StichwortBuch (BC-Link)
Teil 1 – Sternzeichen
Steinbock (Stein, Hörner, …)
Fische (Wasser, nass, …)
Widder (Berge, Hörner, …)
Stier (Arena, Fell, …)
Krebs (Schere, Wasser, rot …)
Zwilling (doppelt, zwei, …)
Löwe (brüllen, Mähne, Fell, …)
Jungfrau (jung, Frau, unschuldig, …)
Waage (Gewicht, ausgleichen, …)
Skorpion (Stich, Stachel, Wüste, …)
Schütze (Pfeil, schiessen, …)
Wassermann (Wasser, Mann, …)
Teil 2 – Monate
Januar (Neujahr, Start, Winter, …)
Februar (kalt, Schnee, …)
März (Wind, frisch, …)
April (Regen, Frühjahrsblüher, …)
Mai (Wonne, Wärme, …)
Juni (Sonne, spazieren, …)
Juli (Hitze, blauer Himmel, …)
August (baden, See, Sommer, …)
September (Abkühlung, Sonnenstrahlen, …)
Oktober (Laub, Herbst, …)
November (diesig, frisch, …)
Dezember (Winter, Schnee, Weihnachten …)
Teil 3 – Feiertage
Neujahr (Anfang, Start, Rutsch, …)
Heilige 3 Könige (Royal, König, heilig, …)
Ostern (Eier, bunt, suchen, …)
Pfingsten (Pfingstrosen, Frieden, …)
1. Mai (Arbeit, Männer, trinken, …)
Tag der deutschen Einheit (Mauer, Einheit, deutsch, …)
Christi Himmelfahrt (Glaube, Himmel, Jesus, …)
Allerheiligen (heilig, …)
Reformationstag (Luther, Kirche, …)
Buß- und Bettag (beten, büßen, …)
Weihnachten (Geschenke, Baum, Essen, …)
Silvester (Knall, bunt, Feuerwerk …)
Stand: 18.01.2021

efell Lesechallenge 2021

StichwortBuch (BC-Link)
A – Wohnzimmer
Stichwort: Haus, Wohnung, Möbel, …
Cover – Blume
Stichwort: Uhr, Zahl, Zeit
Stichwort: Klavier, Instrument, Musik …
Stichwort: Aquarium – Fisch, Haustier …
Stichwort: Party, Feste, Feiern …
Stichwort: Treffpunkt – Kind, Verwandte …
Stichwort: Spielzeug, Kinderbuch
Familienalbum – Biographie
Weihnachtsbuch
Fernseher – Buch aus einem fernen Kontinent
Fenster – Buch aus dem eigenen Bundesland
Bilder – künstlerisches Cover
Teppich Oberseite – „who did it“-Krimi
Teppich Unterseite – verworrene Geschichte
B – Küche
Stichwort: Kochen, Frühstück, Mittag, Abend …
Stichwort: Lebensmittel zum Essen
Stichwort: Getränk
Stichwort: Element – Wasser, Feuer
Asiatische Küche – asiatischer Autor
Italienische Küche – italienischer Autor
Österreichische Küche – österreichischer Autor
Fischgericht – Handlung spielt am Meer
Familiengespräche – ein aktuelles Buch, Neuerscheinung 2020, 2021
Urlaubsplanung – Lesereise in mein Traumland
C – Schlafzimmer
Stichwort: Bett, schlafen …
Liebesgeschichte, träumen, romantisch …
Stichwort: Nacht, Dunkelheit …
Stichwort: Kleidungsstück …
Stichwort: Schmuck, Wert …
Frauenbuch
Männerbuch
Stichwort: weiblicher Vorname
Stichwort: männlicher Vorname
spannende Bettlektüre
D – Garten
Stichwort: Sommer, Sonne, Hitze …
Stichwort: Herbst, Blätter, Wind …
Stichwort: Winter, Schnee, Kälte …
Stichwort: Frühling, Beginn …
Stichwort: Kreislauf, entstehen, wachsen, sterben …
Stichwort: Element – Erde, Luft
Stichwort: Pflanze, Obst, Gemüse
Stichwort: Vogel, Insekten
Cover: grün
Relaxen – humorvolles
Urlaub zu Hause, trotzdem – Lesereise in eine Großstadt
Stichwort: Hobby, arbeiten, Beruf …
Stichwort: Garten, Nachbarn, tratschen, Lärm …
Stichwort: Sport, laufen, spielen …
Stichwort: Straße, Verkehr, Auto …
Fleißaufgabe:
Dachboden: Dach, oben, hell, Himmel …
Keller: Treppe, unten, dunkel …
Stand: 18.01.2021

Du siehst, diverse Stichworte wiederholen sich. Das bedeutet nicht, dass ich beispielsweise zum Stichwort „Weihnachten“ zwei Weihnachtsbücher lesen muss, sondern das ich bei beiden Stichworten das gleiche Buch eintragen kann. Cool, nä?

Etwas anders läuft es bei der Märchen- und Sagen-Challenge. Diese läuft bereits seit März 2020, ich steige aber halt jetzt erst ein und mache nur für mich mit. Ich finde die Idee, jeden Monat mindestens ein Märchen (oder Sage oder Legende) zu einem bestimmten Stichwort zu lesen, reizvoll. Das aktuelle Stichwort wird immer zum Monatswechsel bekannt gegeben und muss (wenn es irgendwie geht) im Titel des Märchens enthalten sein.

Märchen- und Sagen-Challenge 2021

StichwortMärchen
Januar: Wunder
Februar:
März:
April:
Mai:
Juni:
Juli:
August:
September:
Oktober:
November:
Dezember:
Stand: 18.01.2021

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich würde mich sehr freuen, wenn Du mich auf dieser Lesereise begleiten würdest. Vielleicht findest Du ja auch die eine oder andere Anregung.

Viel Spaß und lieben Gruß,

Leseliste 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

im letzten Jahr habe ich mir notiert, welche Bücher ich gelesen habe. Am Jahresende war ich erstaunt, wieviele da so zusammenkamen. Und deshalb habe ich es für dieses Jahr auch wieder angefangen.

Hier der aktuelle Stand für 2020

AutorTitelbeendetSeiten
Hesse, M.Das Mädchen im blauen Mantel02.01.377
Thiemeyer, T.Chroniken der Weltensucher, Bd. 208.01.472
Thiemeyer, T.Chroniken der Weltensucher, Bd. 309.01.469
Habersack, C.Bitte nicht öffnen – bissig!Jan.230
GeoEpocheBayernFeb.161
Thiemeyer, T.Chroniken der Weltensucher, Bd. 4Feb.453
Bertman, J.C.Mr. Griswolds Bücherjagd, Bd. 118.03.346
Koch, B.Der Drachenflüsterer19.03.339
Neff, H.H.Schule der Magier – Das geheime Portal22.03.461
Mommsen, J.Die BücherinselApril272
Gablé, R.Hiobs BrüderApril899
Dromfield, J.Der Junge, der seinem Vater nach Auschwitz folgteApril448
Joyce, J.Ulysses18.05.1015
Gläser, M.Die Buchspringer01.06.380
Oswald, S.Der kleine Strickladen in den Highlands04.06.332
Koch, K.Rote Grütze mit Schuss09.06.270
Ohlandt, N.Dünengeister13.06.539
Winter, C.Die Wolkenfischerin17.06.378
Lebert, B.Crazy19.06.175
Lem, S.Imaginäre Größe (abgebrochen)101
Doyle, C.Sturmwächter 2August376
Lem, S.SterntagebücherOktober479
Hartlieb, P.Meine wundervolle Buchhandlung19.10.208
Erhard, F.Verliebte Bücher und andere Schlamassel01.11.294
Kästner, E.Über das Verbrennen von BüchernNovember46
Martin, G.R.R.Das Lied von Eis und Feuer – Die Herren von WinterfellDezember545
Bücher ohne „beendet“-Eintrag werden aktuell oder demnächst gelesen.


Das sind in 2020 insgesamt 26 Bücher mit insgesamt 9.993 Seiten. Nicht mitgezählt habe ich, was ich bislang in Band 2 von „Das Lied von Eis und Feuer“ gelesen habe. Dieses Buch wird zu 100% zu 2021 gezählt.
Zum Vergleich: 2019 habe ich 24 Bücher mit insgesamt 8.556 Seiten gelesen. Mal sehen, wieviel es 2021 wird.

Lieben Gruß,

Lem, Stanislaw – Imaginäre Größe

Informationen zum Buch:
1982 erschienen
Suhrkamp Verlag
204 Seiten
ISBN 3-518-37158-4

Klappentext / Zusammenfassung:
Es sind hintergründige Spielereien mit der Sprache und mit der Universalität des Denkens, oft am Rande der Groteske und Farce. (Gudrun Ziegler, Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Meine Meinung:
Liebe Leserin, lieber Leser,

ich hatte gedacht, nach „Ulysses“ von James Joyce kann mich lesetechnisch nichts mehr schrecken.

Ich wurde eines besseren belehrt.

Eigentlich bin ich nicht der Typ Leser, der ein begonnenes Buch weglegt. Sowas kommt bei mir extrem selten vor. Mein erster Versuch mit oben genannten „Ulysses“ war so ein Fall, damals war ich wohl noch zu jung dafür. Dieses Buch war auch so ein Fall. Doch welche Entschuldigung habe ich diesmal?

Nun, „Imaginäre Größe“ hat das Anliegen, der Kunst des Vorwortschreibens eine Bühne zu geben. Nach Ansicht des Autors werden Vorworte viel zu wenig beachtet und manch ein Leser überblättert diese wohl auch gern, um gleich zum eigentlichen Buch überzugehen. Er meint, Vorworte werden eher stiefmütterlich behandelt, was sie aber absolut nicht verdient hätten. Und deshalb hat er ein Buch geschrieben, das ausschließlich aus Vorworten besteht – Vorworte zu nicht-existenten Büchern.

Von der Sache her finde ich die Idee sehr amüsant und war nach der Einführung gespannt auf das Buch. Doch die Ernüchterung kam schnell: Die Vorworte beschäftigen sich nicht nur mit nicht-existenten Büchern, sondern auch mit imaginären wissenschaftlichen Themen und beinhalten dementsprechend viele, pseudo-wissenschaftliche Ausdrücke, was mir das Verstehen oder auch nur das flüssige, halbwegs sinnentnehmende Lesen der Texte ungemein erschwerte – und mir die Freude am Lesen nahm. Für mich war es Quälerei, ganz eindeutig.

Das Buch bleibt in meinem Regal stehen. Und irgendwann, vielleicht wenn ich Rentner bin und ganz viel Zeit und Ruhe habe, werde ich es wieder zur Hand nehmen und lesen. Und vielleicht ändert sich meine Meinung dann ja.

Lieben Gruß,

Eure

Lem, Stanislav – Sterntagebücher

Informationen zum Buch:
1978 erschienen
Suhrkamp Taschenbuch Verlag
479 Seiten
ISBN 3-518-36959-8

Klappentext / Zusammenfassung:
Die Geschichten schäumen über von Erfindungsspaß. Bizarrste Einfälle, absonderlichste Skurrilitäten, erstaunlichste Grotesken, vergnüglichste Spiele purzeln übereinander, und das alles läßt immer neu die erstaunlichste Intelligenz spüren, die da agiert. (Heinrich Vormweg)

Meine Meinung:
Liebe Leserin, lieber Leser,

dieses Buch ist phantastisch im Sinne von „äußerst phantasievoll“. Stell Dir vor, Du lebst in einer Zeit, in der das Reisen mit Raketen zu fernen Welten genauso normal ist wie heutzutage das Reisen per Bus oder Auto. In genau so einer Zeit lebt der Protagonist Ijon Tichy. Elektronengehirne gehören zum Alltag, Waschmaschinen waschen nicht nur die Wäsche, er bekommt Besuch von seinem zukünftigen Ich und noch vieles mehr.

Die „Sterntagebücher“ ist ein Buch, auf das man sich einlassen muss – was mir, ehrlich gesagt, phasenweise schwer fiel. Dies war aber nicht der „Fehler“ des Buches, sondern lag darin begründet, dass ich nicht die Zeit und Ruhe hatte, mich auf dieses Buch zu konzentrieren. Meiner Meinung nach ist „Sterntagebücher“ kein Buch, in dem man abends vorm Einschlafen ein paar Seiten liest, sondern eher eines für ein einsames, verregnetes Wochenende auf dem Sofa mit reichlich Tee, Kaffee und Soul Food in Reichweite. Und mit einer Wolldecke. Dann dankt es einem mit vielen vergnüglichen Lesestunden.

In diesem Sinne: Bleibt gesund und genießt die Zeit bei einem der schönsten Hobbys der Welt.

Eure

Gedanken zum Herbst

Ich sitze am Schreibtisch und erledige ein paar Dinge, die erledigt werden wollen. Neben meiner Tastatur dampft eine Tasse Kaffee vor sich hin. In der Küche wartet eine Kanne Tee auf mich. Kräutertee der Mischung „Helgoländer Schietwetter“. Das paßt zum Blick nach draußen: Der Himmel ist einheitlich grau und es regnet. Die Eichen an der Straße werfen ihre Früchte ab und ihre Blätter beginnen, braun zu werden.

Der Herbst ist da.

Jetzt ist wieder die Zeit, sich mehr im Haus aufzuhalten. Ich liebe es, auf dem Sofa zu sitzen, in eine Wolldecke eingekuschelt mit einem Heißgetränk in Reichweite. Vielleicht steht ein Teller mit Kuchen oder Keksen daneben und überall im Raum verströmen brennende Kerzen ihr heimeliges Licht. Ich mache Handarbeiten oder bin in ein Buch vertieft. Dabei ist es ganz egal, was für ein Buch, solange es mich fesselt. Vielleicht ist es etwas lustiges, denn Lachen ist gesund und muntert die Seele auf. Vielleicht ist es ein Krimi, da die dort meist vorherrschende düstere Stimmung zum Wetter passt. Vielleicht lese ich aber auch Fantasy, wo ich in Gedanken in andere Welten reisen kann.

Ich liebe es, im Warmen zu sitzen und es mir gemütlich zu machen, während sich draußen Mutter Natur austobt. Gibt es etwas schöneres, als am Fenster zu sitzen, während die Bäume sich im Sturm wiegen und der Regen gegen die Scheiben peitscht, und dabei zu wissen: Heute darf ich zu Hause bleiben?

Herbst heißt für mich auch, warm eingepackt Spaziergänge zu machen. Mich durchpusten lassen. Schöne Blätter, Eicheln, Kastanien und Bucheckern zu sammeln. Es ist ein wunderbares Gefühl, nach solch einem Spaziergang durchgekühlt und ausgelüftet ins warme Zuhause zu kommen. Die Blätter werden gepresst, die anderen Schätze stilvoll arrangiert. Im Wohnzimmer und in der Essecke stehen verteilt Teller und Schalen mit gesammelten Schätzen, teilweise mit Kerzen dabei. Nach Hause kommen, die Kerzen anzuzünden, Tee oder Kaffee kochen und dann ab aufs Sofa unter die Kuscheldecke – wunderbar!

Es braucht so wenig zum Glücklich sein. Man muss nur mal die Augen aufmachen und in sich reinhorchen. Wahres Glück liegt nicht im Materiellen, es ist imateriell. Ein warmes, gemütliches Zuhause, wenn es draußen kalt und dunkel wird. Kuschelzeit mit der Familie. Heutzutage nennt man es wohl „hyggelig“, da die Skandinavier wohl die Gemütlichkeit im Haus erfunden haben. In meinen Augen stimmt das nicht: Im Norddeutschen nennt man das „kommod“. Und genau das ist es auch für mich: mien kommodes Tohuus.

Eure

Winter, Claudia – Die Wolkenfischerin

Informationen zum Buch:
2018 erschienen
Goldmann Verlag
378 Seiten
ISBN 978-3-442-48573-4

Klappentext / Zusammenfassung:
Charmant und gewitzt hat sich Claire Durant auf der Karriereleiter eines Berliner Gourmet-Magazins ganz nach oben geschummelt. Denn niemand ahnt, dass die Französin weder eine waschechte Pariserin ist noch Kunst studiert hat – bis sie einen Hilferuf aus der Bretagne erhält, wo sie in Wahrheit aufgewachsen ist: Ihre Mutter muss ins Krankenhaus und kann Claires gehörlose Schwester nicht allein lassen. Claire reist in das kleine Dorf am Meer und ahnt noch nicht, dass ihre Gefühlswelt gehörig in Schieflage geraten wird. Denn ihr Freund Nicolas aus gemeinsamen Kindertagen ist längst nicht mehr der schüchterne Junge, der er einmal war, und dann taucht aus heiterem Himmel auch noch ihr Chef auf. Claire muss improvisieren, um ihr Lügengespinst aufrechtzuerhalten – und stiftet ein heilloses Durcheinander in dem sonst so beschaulichen Örtchen Moguériec …

Meine Meinung:
Liebe Leserin, lieber Leser,

dieses Buch ist ein handfester Liebesroman, wie er im Buche steht. Er hat alles, was so ein Buch braucht: Verwirrspiele, Missverständnisse, Herzschmerz, Happy End …

Ich habe das Buch gern und schnell gelesen. Dies ist eines der Bücher, die bei strahlendem Sonnenschein auf dem Balkon/der Terrasse gelesen werden wollen mit einem erfrischenden Kaltgetränk in Reichweite, oder auf dem Sofa, wenn es draußen in Strömen gießt, mit einem Heißgetränk.

Lieben Gruß,

Lebert, Benjamin – Crazy

Informationen zum Buch:
1999 erschienen
Verlag Kiepenheuer & Witsch
175 Seiten
ISBN 3-462-02818-9

Klappentext / Zusammenfassung:
„Das war alles ein wenig viel für mich heute: Anstatt zu schlafen, eine Feuerleiter hinaufzuklettern, zu saufen, was das zeug hält, mal eben ein bißchen zu vögeln und nebenbei erwachsen zu werden. Das reicht für eine Nacht. Da würde jeder kotzen, glaube ich.“

Über das Buch
„Hallo, Leute. Ich heiße Benjamin Lebert, bin sechzehn Jahre alt, und ich bin ein Krüppel. Nur damit ihr es wißt. Ich dachte, es wäre von beiderseitigem Interesse.“ Mit diesen Worten stellt sich Benjamin an seinem ersten Schultag im Internat Schloß Neuseelen seinen Mitschülern vor. Für ihn es es bereits die fünfte Schule, hier soll er endlich die achte Klasse und möglichst auch das Abitur bestehen.
Die wesentlichen Lektionen aber finden nach dem Unterricht statt: Zusammen mit seinen fünf Freunden ist Benjamin auf der Suche nach dem „Faden des lebens“. Bei allen Unternehmungen – bei nächtlichen Besuchen auf dem Mädchengang genauso wie bei heimlichen Ausflügen ins Dorf – beschäftigt sie fortwährend die Frage, worum es in dieser ganzen Veranstaltung namens Leben eigentlich geht: um Mädchen und um Freundschaft, ums Erwachsenwerden oder vielleicht auch einfach nur darum, immer weiterzumachen, wie verrückt die Welt und wie „crazy“ man selbst auch sein mag.

In seinem autobiographischen Roman „Crazy“ erzählt der sechzehnjährige Benjamin Lebert mit erstaunlicher Wärme, großem Witz und einer guten Portion Selbstironie von der Schwierigkeit des Erwachsenwerdens.

Meine Meinung:
Liebe Leserin, lieber Leser,

selten ist es mir so schwer gefallen, meine Gedanken über ein Buch in Worte zu fassen. Als ich den Klappentext gelesen hatte, dachte ich zunächst, das könnte recht lustig werden. Ein typischer Jugendroman.

Selten habe ich so daneben gelegen. Tatsächlich hat mich dieses Buch weniger zum Schmunzeln gebracht, sondern wirklich berührt. Es ist ein subjektiv geschriebenes Buch von erstaunlicher Ehrlichkeit. Benjamin nimmt kein Blatt vor den Mund wenn es darum geht, zu beschreiben, wie er sich in manchen Situationen gefühlt hat. Er beschreibt den Alltag in einem gemischten Internat, hunderte Jugendliche unter sich. Ein Schmelztiegel der Hormone, unter der Führung von Pädagogen, die nach Benjamins Beschreibung diese Bezeichnung nicht verdienen. So ist da beispielsweise der Mathelehrer, dem es Spaß macht, Benjamin vorzuführen, obwohl bekannt ist, dass er in Mathe alles andere als gut ist und dass er aufgrund seiner Behinderung die linke Hand nicht nutzen kann – also auch kein Geodreieck halten und geometrische Figuren zeichnen kann.

„Crazy“ ist ein Buch über die Suche: die Suche nach dem Sinn des Lebens, dem Weg zum Erwachsenwerden und der Suche nach dem eigenen Ich in diesem ganzen Chaos.

Ich kann jedem dieses Buch empfehlen, der vergessen hat (wie ich), wie sich das damals anfühlte. Und ganz dringend rate ich allen Eltern dazu, deren Kinder grade an der Schwelle zur Pubertät stehen. Vielleicht hilft es ihnen, ihre Kinder und deren Probleme besser einzuschätzen.

Lieben Gruß,
Eure